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Jan 10

Come In, come Out und der Hitzlsperger

Deutschland ist begeistert, hat sich doch endlich, lang erhofft, der erste Profifußballer als schwul geoutet. Das zeugt Respekt, natürlich. Zurecht ist man begeistert und spricht von einem Schritt in die richtige Richtung. Zu lange schon hat man auf sowas gewartet…

Allerdings wirft es auch Fragen auf. Fragen nach dem Zeitpunkt, warum erst jetzt, nach dem Karriereende? Das Interview von Hitzlsperger ist da sehr informativ.

Was mich mehr beschäftigt ist der Hype und die Folgen dieses Coming Outs. Klar die Medien reißen sich darum, ist er doch eine Person des öffentlichen Lebens. Als ich mich damals geoutet habe, hat das kein großes Medieninteresse nach sich gezogen. Der Hype um das Coming out fordert natürlich auch seine Schattenseiten, gibt es doch Menschen die das nicht so glücklich finden, ja gar schlechte bis niveaulose Witze darüber zum Besten bringen, ohne zu wissen, was ein Coming Out für einen Menschen bedeutet.

Hitzlsperger ist ein gestandener Mann, 31 Jahre, steht fest im Leben. Man sollte meinen da ist es leicht sich zu outen, aber auch er hat Zeit gebraucht. Niemand macht sich Gedanken darüber, was dieser Schritt für einen jungen Menschen zwischen 15 und 18 Jahren bedeutet, mitten in der Pubertät, in der sowieso alles anders scheint, als man möchte.

Wenn da plötzlich für einen jungen Menschen Fragen auftauchen, eine ganze Armada an Fragen wie, bin ich normal? Die Anderen Jungs stehen doch auch Mädchen, oder umgekehrt. Die Scham, wenn die Freunde auf einmal dumme Sprüche über Schwule von sich geben. Dazu kommt das ewig den Schwulen angelastete Thema HIV und Aids. Man kann von einem Jugendlichen nicht erwarten das er da Bescheid weiß. Darüber hinaus, was werden Mama und Papa dazu sagen, werden sie mir zur Seite stehen, oder bin ich dann das schwarze Schaf der Familie. Nicht wenige Eltern kehren ihren Söhnen und Töchtern nach dem Coming Out den Rücken zu.

Auf einmal steht man ganz alleine da, mit der neuen Situation, die an sich nichts schlechtes ist, die eben so ist, wie sie ist. Mit der man sehr gut und glücklich leben kann. Viele Jugendliche stehen aber tatsächlich alleine da, weil sie von Freunden und Familie keinen Beistand in dieser Phase finden und für viele gibt es da nur noch eine Lösung… Suizid!

2011 lag das Selbstmordrisiko von Homosexuellen Jugendlichen drei bis vier mal höher als bei heterosexuellen.

Wenn manche Menschen erst denken würden, bevor sie Possen reißen, wäre das vielleicht ein erster Schritt in die richtige Richtung, um Jugendlichen in dieser, nicht einfachen Phase, zu helfen und ihnen das Leben etwas leichter zu machen.

Für Eltern die Schwierigkeiten mit der Situation haben, das ihr Kind schwul oder lesbisch ist, empfehle ich die Selbsthilfegruppe von Eltern homosexueller Kinder in Stuttgart.

www.elterngruppe-stuttgart.de

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